geboren am 6.5.1921, gestorben am 28.7.1947;Lindner bestritt für den Club von 1945 bis 1947 als Torwart 61 Spiele in der Oberliga Süd. Er gehörte dem Club seit 1944 an und trug insgesamt 110mal das Clubtrikot.
In
der schwierigen Zeit nach dem Krieg gelang es ihm immer wieder auf wundersame Weise rare Artikel wie Zigaretten, Kaffee, Kakao und Schokolade zu organisieren. Er hatte die besten Beziehungen von allen, dank derer bei
den Busfahrten zu Auswärtsspielen oft eine Stimmung wie auf dem Volksfest herrschte. Alle paar Wochen stiftete er ein Fass Bier, das auf der Rückfahrt angestochen wurde. Wer einen Wunsch hatte, brauchte sich nur an ihn
zu wenden. Er bekam das Benötigte aus PX-Beständen von amerikanischen Soldaten, die stolz darauf waren, dass sie ab und zu mit den Clubspielern trainieren durften.
Seine Karriere begann Lindner bei einem Pionierverein
des fränkischen Fußballs, dem SV Wacker. Insgesamt spielte Lindner 7 Jahre für den Club, dem er 1940 beitrat.
Ab 1941 wurde er in Regensburg zum Soldaten ausgebildet und anschließend an die Front geschickt.
Nach
der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft trat er 1945 in Nürnberg die Nachfolge von Georg „Hauptmann“ Köhl an, der an den Folgen eines Armdurchschusses gestorben war, den er nicht operieren lassen wollte. Lindner war
ein guter Leichtathlet und – ähnlich wie Stuhlfauth – auch ein sehr guter Feldspieler. Als Torwart zeichnete er sich durch ein glänzendes Stellungsspiel, Fangsicherheit und blitzschnelle Reaktionen aus. In einer 1953
abgeschlossenen Klassifizierung der besten Fußballer Deutschlands hieß es über ihn: „Seines Herausfliegens wegen (sonst auch ‚Reaktionsfähigkeit’ genannt), verdient Lindner den ersten Platz unter den Hütern, die seit 45
kamen.“ Selbst der kritische Stuhlfauth war von Lindners Reaktionen hellauf begeistert. Max Morlock bezeichnete ihn als den „Mann mit den magnetischen Händen“.
1944 stand er zum ersten Mal in der ersten
Mannschaft. In der Saison 1946/47 ließ er in zehn von neunzehn Heimspielen kein Tor zu. Im Januar 1947 lieferte er in München das Spiel seines Lebens. Über den Platz an der Grünwalder Straße fegte ein höllischer
Schneesturm, die 60er rannten pausenlos auf sein Tor an und spielten ein paar Dutzend chancen heraus, die er alle zunichte machte. Es war einzig und allein sein Verdienst, dass der einseitige Kampf 0:0 ausging. Als er
in die Kabine ging, wurde er mit Beifall und Bravo-Rufen auch der Münchner Zuschauer überschüttet.
Im Mai 1947 spielte der Club in Fürth gegen Eintracht Frankfurt. Im „Sport“ konnte man anschließend lesen: „In der
Stellungskunst, der Schusswinkel-Verkürzung und den Fuß-Paraden erinnerte Lindner an seinen berühmten Vereins-Vorgänger Heiner Stuhlfauth. Im eleganten Ball-Herunterholen und der beschwingten Art ähnelt er aber schon
sehr dem noch unvergessenen Schorsch Köhl.“
Anlässlich des Heimspiels gegen den VfB Stuttgart im Juni 1947 konnte man in derselben Zeitung folgendes Urteil über Lindner finden: „Er dürfte wohl inzwischen der
sachlichste Vertreter unter der süddeutschen Torhüter-Elite geworden sein.“
Sein Tod war die Chance von Eduard „Edi“ Schaffer. Schorsch Lindner, der mit Vorliebe amerikanische Schlager hörte und im Mannschaftskreis
auch entsprechende Soloeinlagen zum besten gab, erlag mit 26 Jahren einer TBC-Erkrankung. Bis drei Wochen vor seinem Tod hütete er noch das Club-Tor. Seine letzten Worte waren: „Nich, ich versteh’s einfach nicht, wie
mir das passieren konnte!“ Damit meinte er einen Vorfall in der Partie gegen Schweinfurt 05, durch den er einen Elfmeter verursacht hatte. Mitten in einem heftigen Torgetümmel wurde er, nachdem er den Ball – vom
Schiedsrichter unbemerkt – hinter der Linie gefangen hatte, scharf gerempelt. Darauf wurde ihm wirr und schwarz vor den Augen, und er packte den Nächststehenden und schleuderte ihn weg. Dazu sagte er später: „Ich war
nicht Herr meines Willens. Mir ist das furchtbar. Ich komme nicht darüber hinweg!“ Immer wieder klagte er sich selber an, und man hatte Mühe, ihn zu beruhigen und zu trösten. Dass auch dem fairsten Sportsmann im Affekt
einmal etwas widerfahren kann, das er im nächsten Augenblick bereut, ließ er als Entschuldigung nicht gelten. Im Nachhinein wurde klar, dass es bereits der nahe bevorstehende Tod gewesen war, der ihn zu dieser Reaktion
gebracht hatte. Doch damals hatte er noch nichts von der schlimmen Krankheit geahnt, die in seinem Körper wütete.